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Reifenwechsel: wann, wie und für wie viel Geld

Wann der Wechsel fällig ist, was Räderwechsel und Reifenwechsel unterscheidet, was beides 2026 kostet und warum die Radschrauben nach 50 Kilometern noch einmal dran müssen.

Von Merle Hansen, aktualisiert am 30. Oktober 2026

Mechaniker zieht die Radschrauben mit dem Drehmomentschlüssel an, im Hintergrund die Hebebühnen der Werkstatt

Der Anruf kam an einem Freitagnachmittag im November. Der Fahrer eines Opel Insignia Sports Tourer klang beunruhigt: Seit dem Reifenwechsel am Mittwoch brumme es vorne links, und ab 90 km/h zittere das Lenkrad. Ole Brinkmann holte den Drehmomentschlüssel, bevor das Auto ganz auf der Hebebühne stand. Zwei der fünf Radschrauben am linken Vorderrad ließen sich mit der Hand eine halbe Umdrehung weiterdrehen. Der Wechsel in der anderen Werkstatt war schnell gegangen, mit Schlagschrauber, und nach den ersten Kilometern hatte niemand nachgezogen. Passiert war nichts. Aber nur, weil der Fahrer das Brummen ernst genommen hatte.

Ein Reifenwechsel besteht aus mehr Handgriffen, als man von außen sieht, und aus mehr Entscheidungen, als der Termin im Kalender verrät: Wann ist der richtige Zeitpunkt, was wird eigentlich gewechselt, was kostet es 2026, und wohin mit dem zweiten Satz? Wer seine Reifen zweimal im Jahr tauscht, sollte die Antworten kennen. Die folgenden Abschnitte gehen den Wechsel in der Reihenfolge durch, in der er stattfindet.

Der richtige Zeitpunkt: O bis O und die 7-Grad-Regel

„Von Oktober bis Ostern“ ist eine Merkregel der Werkstätten, kein Gesetz. Sie funktioniert, weil sie grob mit dem Wetter zusammenfällt: Unter etwa sieben Grad Außentemperatur wird die Mischung des Sommerreifens härter und verliert Haftung, die weichere Mischung des Winterreifens arbeitet dann besser, auch auf trockener, kalter Straße. In Bremen liegen die Nächte im November oft knapp über null, das reicht für Reifglätte auf Brücken, ohne dass je Schnee fällt.

Rechtlich gilt in Deutschland die situative Winterreifenpflicht nach § 2 Abs. 3a StVO. Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eisglätte oder Reifglätte dürfen Sie nur mit Winterreifen fahren. Als Winterreifen zählt seit dem 1. Oktober 2024 nur noch ein Reifen mit Alpine-Symbol (3PMSF), ein M+S ohne Schneeflocke genügt nicht mehr. Der Fahrer zahlt bei einem Verstoß 60 Euro und bekommt einen Punkt, der Halter 75 Euro und einen Punkt. Mehr zur Pflicht und zum Kauf finden Sie bei den Winterreifen.

SituationEmpfehlungGrundlage
Tagestemperaturen dauerhaft unter 7 GradWinterreifen aufziehenMerkregel der Werkstätten
Glätte, Schnee, Matsch, Eis, ReifglätteFahren nur mit Alpine-Symbol§ 2 Abs. 3a StVO
Winterprofil unter 4 mmTausch einplanenEmpfehlung, gesetzlich gelten 1,6 mm nach § 36 StVZO
Nach Ostern, stabil über 7 GradSommerreifen aufziehenMerkregel der Werkstätten

Buchen Sie Termine früh. Die Werkstätten sind in den ersten Wochen nach dem ersten Frost und rund um Ostern ausgelastet, zwei bis drei Wochen Vorlauf sind realistisch. Wer im ersten Schneefall anruft, steht in der Warteschlange hinter allen anderen.

Räderwechsel oder Reifenwechsel: zwei verschiedene Arbeiten

Im Alltag sagt jeder „Reifenwechsel“ und meint zwei Dinge. Beim Räderwechsel, auch Umstecken genannt, kommen fertig montierte und gewuchtete Räder des zweiten Satzes auf das Auto. Beim Reifenwechsel im engeren Sinn zieht die Werkstatt den Reifen von der Felge, zieht einen anderen auf und wuchtet das Rad neu. Der Unterschied steht später auf der Rechnung.

ArbeitWas passiertKosten 2026 (rund)Wann sinnvoll
Räderwechsel (Umstecken)fertige Kompletträder tauschen, Druck und RDKS prüfen20 bis 60 Euro pro SatzSie haben zwei Radsätze
Reifenwechsel (Aufziehen)Reifen von der Felge ziehen, neue montieren, Rad wuchten15 bis 40 Euro pro Rad, also 60 bis 160 Euro pro SatzSie fahren einen Radsatz oder kaufen neue Reifen

Rechnerisch sieht das so aus: Wer mit einem Radsatz fährt und zweimal im Jahr die Reifen umzieht, zahlt bei 60 bis 160 Euro pro Satz zwischen 120 und 320 Euro im Jahr. Wer zwei Radsätze besitzt und zweimal umsteckt, zahlt bei 20 bis 60 Euro zwischen 40 und 120 Euro. Dafür muss einmal ein zweiter Satz Felgen angeschafft werden. Das lohnt sich vor allem bei Autos mit RDKS und großen Rädern, bei denen das Aufziehen am teuersten ist, und bei langer Haltedauer.

So läuft der Wechsel in der Werkstatt ab

Ein sauberer Reifenwechsel ist Handarbeit mit Maschinenhilfe. Die Reihenfolge ist nicht beliebig, jeder Schritt baut auf dem vorherigen auf, und an den Kleinigkeiten erkennt man, wie gründlich ein Betrieb arbeitet.

  1. Räder abnehmen und die Position markieren (vorne links, vorne rechts, hinten links, hinten rechts).
  2. Reifen abziehen, die Felge reinigen und auf Schäden an Felgenhorn und Ventilsitz prüfen.
  3. Ventil erneuern, bei direktem RDKS den Sensor und seinen Dichtsatz prüfen.
  4. Neuen Reifen aufziehen und dabei Laufrichtung (Pfeil auf der Flanke) und Außenseite (Aufschrift „Outside“) beachten.
  5. Rad wuchten, also Unwucht mit Klebe- oder Schlaggewichten ausgleichen.
  6. Rad montieren, Radschrauben mit dem Drehmomentschlüssel in Kreuzfolge anziehen, Luftdruck einstellen, RDKS anlernen.

Ein guter Wechsel verrät sich in Details: gereinigte Radnabe, ein Drehmomentschlüssel statt Schlagschrauber beim letzten Anzug, ein Luftdruck nach Herstellerangabe statt nach Gefühl. Welcher Wert für Ihr Auto gilt und wie Sie ihn kontrollieren, steht bei Reifendruck.

Kosten 2026 im Überblick

Beim Wechsel fallen weitere Posten an, die man am Telefon selten erfährt. Das Anlernen eines direkten RDKS kostet rund 5 bis 15 Euro pro Rad, als Pauschale bis etwa 100 Euro für den Satz. Die Entsorgung alter Reifen schlägt mit rund 2 bis 8 Euro pro Reifen zu Buche, ist beim Neukauf aber oft im Montagepreis enthalten. Die Einlagerung eines Radsatzes kostet in der Werkstatt meist 30 bis 60 Euro pro Saison. Felgen ab 18 Zoll, Runflat-Reifen und Niederquerschnitt liegen am oberen Ende der genannten Spannen.

Die Einzelposten mit allen Preisen nach Fahrzeugtyp stehen auf der Seite zu den Reifenkosten. Wenn der Wechsel ohnehin neue Reifen bringt, lohnt vorher ein Blick auf Premium- oder Budgetreifen, denn die Montage kostet bei jedem Segment gleich viel. Die Übersicht Reifen kaufen führt durch den ganzen Weg bis zur Bestellung.

Einlagerung: wohin mit dem zweiten Satz

Wer in einer Wohnung ohne Keller lebt, hat ein Platzproblem, das sich mit 30 bis 60 Euro pro Saison lösen lässt. Reifenhotels und viele Werkstätten nehmen den Satz auf, oft inklusive Reinigung und Sichtprüfung, manche mit Versicherung. SUV-Räder und Zusatzleistungen treiben den Preis auf bis zu rund 80 Euro. Zu Hause kostet die Lagerung nichts, verlangt aber ein paar Regeln.

  • Kompletträder liegend stapeln oder an einem Felgenbaum aufhängen
  • Reifen ohne Felge stehend lagern und alle vier bis sechs Wochen ein Stück drehen
  • kühl, trocken und dunkel, weit weg von Heizung, Öl und Lösungsmitteln
  • vor dem Einlagern Position markieren und Profil sowie Seitenwände prüfen

Ich halte das Reifenhotel in der Stadtwohnung für die ehrlichste Lösung: Der Satz liegt trocken, der Termin ist im Preis enthalten, und niemand muss im Treppenhaus vier Räder tragen. Wer einen trockenen Keller hat, spart die Gebühr und tut den Reifen nichts Schlechtes, solange er sie nicht im Heizungsraum parkt.

Nach 50 Kilometern: Radschrauben nachziehen

Das Brummen beim Insignia hatte eine einfache Ursache. Nach dem Wechsel setzt sich die Auflagefläche zwischen Felge und Nabe, Lackreste und Rost werden plattgedrückt, und die Schrauben verlieren etwas Vorspannung. Wer das letzte Anziehen mit dem Schlagschrauber erledigt, hat zudem selten das richtige Drehmoment getroffen. Deshalb gilt die Regel, die Reifenhersteller und Werkstätten gleichermaßen nennen: Radschrauben nach etwa 50 Kilometern kontrollieren und mit dem vorgeschriebenen Drehmoment nachziehen, bei Bedarf nochmals nach 100 Kilometern.

Den Wert nennt die Betriebsanleitung Ihres Autos. Bei vielen Pkw liegt er grob zwischen 90 und 140 Nm, je nach Fahrzeugklasse, als Orientierung und nicht als Vorgabe. Wer einen kalibrierten Drehmomentschlüssel besitzt, kann die Kontrolle selbst machen. Sie dauert fünf Minuten, die meisten Werkstätten machen sie auf Nachfrage mit.

Ein Schlagschrauber ist schnell, aber er weiß nicht, wann Schluss ist. Ich ziehe die letzten Umdrehungen immer mit dem Drehmomentschlüssel in Kreuzfolge an und sage den Kunden, dass sie nach fünfzig Kilometern wiederkommen dürfen oder es selbst machen. Das ist die billigste Sicherheit am ganzen Auto.

Ole Brinkmann, Kfz-Meister

Häufige Fragen

Wie lange dauert ein Reifenwechsel?

Der reine Handgriff dauert bei fertigen Rädern etwa eine halbe Stunde. Das Aufziehen neuer Reifen mit Wuchten braucht länger, dazu kommt die Wartezeit im Betrieb. Rechnen Sie in den Stoßzeiten mit einem halben Tag oder mit Abgabe des Autos am Morgen.

Darf ich Winterreifen schon im September aufziehen?

Ja, gesetzlich spricht nichts dagegen. Bei Wärme verschleißt die weiche Winter-Mischung aber schneller und bremst auf trockener, warmer Straße schwächer. Sinnvoll ist der Wechsel, wenn die Tagestemperaturen dauerhaft unter etwa 7 Grad liegen.

Muss ich nach dem Wechsel den Reifendruck anpassen?

Ja. Der Wert steht im Tankdeckel, an der B-Säule oder in der Betriebsanleitung und gilt für kalte Reifen. Bei direktem RDKS muss das System nach dem Wechsel die Sensoren neu erkennen. Bei indirektem RDKS wird es im Bordmenü zurückgesetzt, sonst meldet es falschen Druck.

Wie lange halten die Batterien der RDKS-Sensoren?

Je nach Hersteller fünf bis zehn Jahre. Ist die Batterie leer, wird der ganze Sensor getauscht, die Zelle allein lässt sich nicht ersetzen. Viele Werkstätten lesen beim Wechsel den Batteriezustand aus und sagen Bescheid, bevor die Warnleuchte kommt.