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Reifenalter: was die DOT-Nummer verrät und wann Schluss ist

Eine feste Altersgrenze gibt es nur für Anhänger mit Tempo-100-Zulassung: unter sechs Jahren. Sonst gelten Empfehlungen, und die DOT-Nummer zeigt, wo Ihr Reifen steht.

Von Merle Hansen, aktualisiert am 30. Oktober 2026

Alter, verstaubter Reifen an einem Auto, das in einer Scheune auf Stroh steht

Der Wagen stand seit 2013 in einer Scheune bei Verden: ein VW Golf III Cabrio, Baujahr 1996, 31.000 Kilometer. Der Enkel hatte ihn geerbt, die Hauptuntersuchung stand an, und die Reifen sahen aus wie neu, 6 mm Profil rundum. Ole Brinkmann drehte das Rad und las die DOT-Nummer: 3912. Woche 39 des Jahres 2012, also vierzehn Jahre alt. Über die Flanke zog sich ein feines Netz aus Haarrissen, und der Gummi fühlte sich an wie eine alte Radiergummikante.

Der Kunde war nicht begeistert. „Das Profil ist doch wie neu“, sagte er. Das stimmt, und genau das ist das Problem: Die Profiltiefe misst, was abgefahren ist, nicht, was gealtert ist. Wie sie gemessen wird, steht im Beitrag zur Profiltiefe, doch ein Reifen mit 6 mm kann trotzdem am Ende seiner Lebensdauer stehen.

Wie alt ein Reifen sein darf, regelt das Gesetz für Pkw gar nicht, für Anhänger mit Tempo-100-Zulassung dagegen ziemlich genau. Dazwischen liegen Empfehlungen, die sich nach Reifenart und Nutzung richten. Was gute Reifen für Ihr Auto auf Dauer leisten, hängt auch vom Geburtsjahr ab, und das Alter ist der vierte Punkt im Fünf-Minuten-Check unter Reifen prüfen.

So lesen Sie die DOT-Nummer

Das Herstellungsdatum steht als vierstellige Zahl am Ende der DOT-Kennung auf der Reifenflanke: Die ersten beiden Ziffern bezeichnen die Kalenderwoche, die letzten beiden das Jahr. 2324 bedeutet Woche 23 des Jahres 2024. Das Werkzeug unten rechnet aus, wie alt Ihr Reifen heute ist.

DOT-Leser: wie alt ist Ihr Reifen?

Die letzten vier Ziffern der DOT-Nummer auf der Seitenwand eingeben, zum Beispiel 2324.

Woche 23 / 2024

Geben Sie vier Ziffern ein, das Alter erscheint hier.

Die vollständige DOT-Kennung beginnt mit den Buchstaben DOT, danach folgen mehrere Zeichen für Werk und Reifengröße, am Ende das Datum. Hersteller sind zur Angabe verpflichtet: § 36 Abs. 7 StVZO verlangt, dass auf dem Reifen das Herstellungs- beziehungsweise Erneuerungsdatum erkennbar ist. Reifen von vor dem Jahr 2000 tragen nur drei Ziffern, sie sind heute in jedem Fall zu alt.

Das Datum steht oft nur auf einer Flanke. Zeigt die andere nach außen, sehen Sie die Buchstaben DOT mit einer verkürzten Gruppe, aber ohne Woche und Jahr. Dann fotografieren Sie die Innenseite mit dem Handy durch den Radlauf oder lassen die Werkstatt beim nächsten Räderwechsel nachsehen.

DOT-EndeWocheJahrAlter Ende Oktober 2026 (rund)
23242320242 Jahre, 5 Monate
45214520214 Jahre, 11 Monate
10181020188 Jahre, 8 Monate
391239201214 Jahre, 1 Monat

Wie alt dürfen Reifen sein? Gesetz, Hersteller, Clubs

Für Pkw-Reifen gibt es in Deutschland kein gesetzliches Höchstalter. Die Empfehlungen kommen von Herstellern und Automobilclubs, und sie unterscheiden sich nach Reifenart. Continental rät, Reifen zu ersetzen, die laut Produktionsdatum älter als 10 Jahre sind; Fahrzeughersteller können kürzere Intervalle vorgeben, denen man dann folgen sollte. Der ADAC empfiehlt, Sommerreifen nicht länger als 8 bis 10 Jahre zu fahren. Winterreifen verlieren laut ADAC ab etwa 6 Jahren einen Teil ihrer Wintereigenschaften, und von der Nutzung über 8 Jahre rät der Club ab.

Wir haben daraus eine Faustregel gemacht, die sich in der Werkstatt bewährt. Sie ist unsere Einordnung und kein Gesetz.

AlterEinordnungWas wir tun würden
bis 6 Jahreim Normalfall unproblematischbei jedem Saisonwechsel kurz die Flanke ansehen
6 bis 8 Jahregenauer hinsehen: Risse, Verhärtungvon der Werkstatt beurteilen lassen, Winterreifen früh ersetzen
8 bis 10 JahreSommerreifen am Ende der Empfehlungtauschen, Ausnahmen nur nach Prüfung
über 10 Jahreauch bei vollem Profil zu alttauschen

Ein Sonderfall ist das Reserverad. Es steht oft jahrelang im Kofferraum und ist dann das älteste Rad am Auto, dessen Gummi am wenigsten bewegt wurde. Wer sich nur an den vier montierten Reifen orientiert, übersieht es. Für Winterreifen gilt außerdem: Alter und Winterreifenpflicht sind zwei Paar Schuhe. Das Alpine-Symbol allein sagt nichts darüber, wie gut der Gummi nach acht Jahren noch auf Schnee haftet.

Anhänger und Wohnwagen: die Sechs-Jahres-Regel

Für Anhänger, die mit 100 km/h gefahren werden sollen, gilt eine feste Grenze. Die Neunte Ausnahmeverordnung zur StVO verlangt in § 3, dass die Reifen des Anhängers zum Zeitpunkt der jeweiligen Fahrt, erkennbar am eingeprägten Herstellungsdatum, jünger als sechs Jahre sind und mindestens die Geschwindigkeitskategorie L tragen, also 120 km/h. Zusätzlich muss das Zugfahrzeug ABS haben und das Massenverhältnis stimmen.

Die Grenze gilt für jede einzelne Fahrt und nicht bloß für den Tag, an dem die Plakette ausgestellt wurde. Ein Wohnwagen, dessen Reifen die DOT-Nummer 4619 tragen, also Woche 46 von 2019, hat die Sechs-Jahres-Marke im November 2025 überschritten, selbst wenn er in der Zwischenzeit nie bewegt wurde und das Profil noch tief ist. Danach entfällt die Grundlage für Tempo 100, und es gelten wieder die üblichen 80 km/h für Gespanne. Ein Reifen mit der DOT-Nummer 1521 (Woche 15 von 2021) darf dagegen noch bis April 2027 mit Tempo 100 laufen.

Welcher Geschwindigkeitsindex auf Ihrer Flanke steht und was der Buchstabe L bedeutet, erklärt die Seite zum Geschwindigkeitsindex. Praktisch heißt das für Camper: Fotografieren Sie die DOT-Nummern einmal im Jahr, und legen Sie sich das Ablaufdatum in den Kalender, genau wie den Termin für die Hauptuntersuchung.

Neue Reifen mit altem DOT: was Käufer wissen sollten

Auch beim Kauf neuer Reifen lohnt der Blick auf die DOT-Nummer, denn ein Reifen kann monatelang im Lager gelegen haben. Ein Gesetz, das ein Höchstalter für Neureifen festlegt, gibt es nicht. Gerichte entscheiden nach dem Einzelfall. Das Amtsgericht Krefeld hat im Dezember 2003 (Az. 82 C 460/02) einen Fall um Reifen entschieden, die beim Verkauf gut drei Jahre alt waren: Das Alter allein sei noch kein Sachmangel, entscheidend sei, ob die Lagerung die Eigenschaften verändert habe. Der Sachverständige hielt eine Lagerung von fünf Jahren für unproblematisch. Der Bundesgerichtshof (VIII ZR 386/02, Februar 2004) hat einen anderen Fall behandelt, nämlich den Verkauf eines gebrauchten Sportwagens mit sehr alten Reifen: Wenn besondere Umstände Anlass geben, muss der Händler das Alter der Reifen an der DOT-Nummer prüfen.

Beide Urteile sind keine Regel für den Reifenkauf von heute, zeigen aber die Richtung. In der Branche selbst sind die Maßstäbe unterschiedlich. Der ADAC will Neureifen nicht älter als zwei Jahre sehen. Der Reifenhandelsverband BRV bezeichnet Reifen bis etwa drei Jahre als fabrikneu und ungebrauchte Reifen bis fünf Jahre bei sachgerechter Lagerung als neu, und Continental hält bis zu fünf Jahre bei sachgemäßer Lagerung für vertretbar. Wir halten zwei Jahre für vernünftig und würden bei drei Jahren nachfragen.

Bei der Hauptuntersuchung schauen wir auf den Zustand: Risse, Beulen, verhärtete Flanken. Ein Datum allein führt in der Regel nicht zur Beanstandung, ein zerrissener Reifen sehr wohl. Das heißt nicht, dass neun Jahre alte Reifen eine gute Idee wären.

Henning Rauch, Prüfingenieur

Wer Reifen kaufen will, kann sich absichern: Halten Sie das gewünschte Höchstalter schon bei der Bestellung schriftlich fest, zum Beispiel „nicht älter als zwei Jahre“, und prüfen Sie die DOT-Nummer, bevor die Reifen montiert werden. Nach der Montage lässt sich eine Reklamation kaum noch durchsetzen. Fotografieren Sie die Nummer und heben Sie die Rechnung auf. Das ist keine Rechtsberatung; im Streitfall entscheidet der Einzelfall.

Alterungszeichen erkennen

Das Datum ist ein Anhaltspunkt, der Zustand entscheidet. Ein sechs Jahre alter Reifen, der in der Garage stand, kann besser sein als ein vierjähriger, der in der Sonne am Bordstein gealtert ist. Achten Sie auf diese Zeichen:

  • feine Risse in der Flanke oder im Profilgrund, die sich beim Biegen des Reifens öffnen
  • verhärteter Gummi, der sich beim Daumendruck nicht mehr eindrücken lässt
  • graubraune, matte Oberfläche statt tiefem Schwarz
  • Beulen oder Wölbungen, die auf Strukturschäden hindeuten

Wer Reifen einlagert, verlängert ihr Leben: kühl, trocken, dunkel und ohne Kontakt zu Öl, Benzin oder Lösungsmitteln. Reifen ohne Felge stehen aufrecht, Kompletträder liegen oder hängen. Der Saisonwechsel ist die beste Gelegenheit, die Reifen aus dem Lager in Ruhe auf Risse und Verhärtung anzusehen. Bei Beulen und tiefen Rissen gilt die Regel aus dem Beitrag zu den Reifenschäden: Der Reifen wird ersetzt, nicht repariert.

Häufige Fragen

Darf ich zehn Jahre alte Reifen noch fahren?

Gesetzlich ja, denn für Pkw-Reifen gibt es kein Höchstalter. Empfohlen ist es nicht: Continental rät, Reifen nach zehn Jahren zu ersetzen, und der ADAC nennt für Sommerreifen 8 bis 10 Jahre als Obergrenze. Bei Winterreifen raten Clubs schon früher ab. Prüfen Sie einen alten Reifen auf Risse und Verhärtung, und tauschen Sie im Zweifel.

Wo finde ich die DOT-Nummer, wenn sie innen steht?

Auf der Außenseite sehen Sie oft nur eine verkürzte Kennung. Fotografieren Sie die Innenseite durch den Radlauf mit dem Handy, oder bitten Sie die Werkstatt beim Räderwechsel, das Datum abzulesen. Bei Reifen ab dem Jahr 2000 ist das Datum vierstellig und steht am Ende der Kennung, oft in einem ovalen Feld.

Zählt das Alter ab Kaufdatum oder ab Herstellung?

Ab Herstellung. Das Herstellungsdatum aus der DOT-Nummer ist maßgeblich, nicht das Kaufdatum auf der Rechnung. Die Lagerzeit beim Händler zählt also mit, deshalb lohnt der Blick auf die Nummer vor der Montage.

Was bedeutet eine dreistellige DOT-Nummer?

Dreistellige Datumsangaben sind Reifen aus der Zeit vor dem Jahr 2000. Sie sind heute in jedem Fall zu alt, egal wie tief das Profil noch ist. Lassen Sie solche Reifen austauschen; sie sind bei Oldtimern und gelegentlich bei Anhängern noch zu finden.