Lastindex und Geschwindigkeitsindex: was die zwei Zeichen am Ende der Größe verraten
Hinter 91V stecken 615 Kilogramm und 240 km/h. Mit den Tabellen wissen Sie, was Ihre Reifen tragen und fahren dürfen und wo die Ausnahmen liegen.
Von Merle Hansen, aktualisiert am 30. Oktober 2026

Ein Tischler aus Hemelingen brachte im November vier günstige Winterreifen für seinen Ford Transit Custom (Baujahr 2020, 85.000 km) zur Montage mit. Größe 215/65 R16, passte also zur Felge. Im Schein stand aber 215/65 R16 C 109/107T. Auf den Reifen stand 98H. Ole Brinkmann las es zweimal und stellte die Maschine wieder ab. Zwei Reifen mit Lastindex 98 tragen zusammen höchstens 1.500 Kilogramm. Die Papiere verlangten pro Achse rechnerisch 1.950 bis 2.060. Die Größe stimmte, der Reifen war trotzdem der falsche.
Der Tischler bekam zwei Tage später Winterreifen in 215/65 R16 C 109/107R mit Alpine-Symbol. Das R steht für 170 km/h, im Schein stand T für 190, also kam ein Aufkleber ins Blickfeld, und der Tischler fährt seitdem nach dem Aufkleber.
Die beiden Zeichen am Ende der Kennzeichnung, bei 91V die Zahl und der Buchstabe, sind das am häufigsten übersehene Stück der Reifengröße. Sie sagen, wie viel ein Reifen tragen und wie schnell er laufen darf, und ob die Reifen im Regal zu Ihrem Auto passen, sehen Sie an ihnen oft eher als an der Breite. Gesetzliche Grundlage ist § 36 Abs. 1 StVZO: Maße und Bauart der Reifen müssen der Belastung und der durch die Bauart bestimmten Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs entsprechen.
Lastindex: wie viel ein Reifen tragen darf
Der Lastindex ist eine Kennzahl für die Tragfähigkeit eines einzelnen Reifens in Kilogramm, gemessen bei einem Normdruck von 2,5 bar. Ein Reifen mit Index 91 trägt höchstens 615 Kilogramm. Zwei Reifen einer Achse müssen zusammen mindestens die zulässige Achslast aushalten, die Sie in den Feldern 8.1 und 8.2 der Zulassungsbescheinigung finden. Ein Rechenbeispiel: Beträgt die Achslast 1.100 Kilogramm, muss jeder Reifen 550 Kilogramm tragen. Index 87 (545 kg) reicht nicht, Index 88 (560 kg) schon.
Die Tabelle zeigt die gängigen Pkw-Werte von 80 bis 115. Die Skala der UN-Regelung Nr. 30 reicht insgesamt von 0 (45 kg) bis 120 (1.400 kg).
| LI | kg | LI | kg |
|---|---|---|---|
| 80 | 450 | 98 | 750 |
| 81 | 462 | 99 | 775 |
| 82 | 475 | 100 | 800 |
| 83 | 487 | 101 | 825 |
| 84 | 500 | 102 | 850 |
| 85 | 515 | 103 | 875 |
| 86 | 530 | 104 | 900 |
| 87 | 545 | 105 | 925 |
| 88 | 560 | 106 | 950 |
| 89 | 580 | 107 | 975 |
| 90 | 600 | 108 | 1.000 |
| 91 | 615 | 109 | 1.030 |
| 92 | 630 | 110 | 1.060 |
| 93 | 650 | 111 | 1.090 |
| 94 | 670 | 112 | 1.120 |
| 95 | 690 | 113 | 1.150 |
| 96 | 710 | 114 | 1.180 |
| 97 | 730 | 115 | 1.215 |
Der Luftdruck spielt mit: Die Werte der Tabelle gelten bei Normdruck. Fällt der Druck, sinkt die Tragfähigkeit. Ein Reifen mit Index 92 trägt nach Tabellen der Reifenhersteller und Automobilclubs 630 Kilogramm bei 2,5 bar, 590 Kilogramm bei 2,3 bar und nur noch 550 Kilogramm bei 2,1 bar. Das ist einer der Gründe, den Reifendruck nicht dem Zufall zu überlassen.
Geschwindigkeitsindex: der Buchstabe hinter der Zahl
Der Buchstabe nennt die Höchstgeschwindigkeit, für die der Reifen zugelassen ist. Die Reihenfolge ist nicht ganz alphabetisch, H sitzt zwischen U und V. Unterhalb von Q folgen J bis P (100 bis 150 km/h). Für Pkw sind meist diese Werte relevant:
| Geschwindigkeitsindex | Höchstgeschwindigkeit |
|---|---|
| Q | 160 km/h |
| R | 170 km/h |
| S | 180 km/h |
| T | 190 km/h |
| U | 200 km/h |
| H | 210 km/h |
| V | 240 km/h |
| W | 270 km/h |
| Y | 300 km/h |
Zusätzlich gibt es Z für Reifen über 240 km/h und (Y) für Reifen über 300 km/h. Bei Reifen für sehr hohe Geschwindigkeiten sinkt die Tragfähigkeit, wenn man über 210 km/h fährt, und der Hersteller nennt dafür Abschläge. Wer mit einem V-Reifen die 240 km/h ausreizt, trägt also weniger, als die Tabelle zum Lastindex verspricht.
XL, Reinforced und HL: Reifen mit Reserve
Wer „XL“ auf der Flanke liest, hat einen verstärkten Reifen vor sich. Die UN-Regelung Nr. 30 spricht von „Reinforced“ oder „Extra Load“. Die Karkasse ist belastbarer als bei einem Standardreifen, die höhere Tragfähigkeit steht aber erst bei erhöhtem Fülldruck zur Verfügung. Schreiben die Fahrzeugunterlagen einen XL-Reifen vor, darf es kein Standardreifen sein, auch wenn die Zahl gleich aussieht. Typische Kandidaten sind schwere SUV, Vans und Elektroautos.
Für besonders schwere Elektroautos gibt es seit 2021 die Kennzeichnung HL (High Load). Nach Angaben von Reifenherstellern trägt ein HL-Reifen bei gleichem Druck mehr als sein XL-Pendant: Im Beispiel 245/40 R19 steht HL mit Index 101 (825 kg) gegen XL mit Index 98 (750 kg), also rund zehn Prozent mehr. Wer ein Elektroauto fährt, sollte beim Reifenkauf in die Papiere sehen, ob XL oder HL vorgeschrieben ist. Ein Standardreifen kommt dann nicht in Frage.
C-Reifen, Doppelkennzahl und Camper
Transporter fahren sogenannte C-Reifen (C für Commercial). Der Buchstabe steht hinter der Felgengröße, zum Beispiel 215/65 R16 C. Auffällig ist die doppelte Kennzahl: 109/107T bedeutet, dass der Reifen als Einzelreifen 1.030 Kilogramm trägt (109) und in Zwillingsbereifung 975 Kilogramm (107). Zwillingsbereifung bedeutet zwei Reifen nebeneinander auf einer Seite der Achse, wie bei manchen Pritschenwagen.
Beim Camper-Ausbau lohnt es sich, ehrlich zu rechnen. Ein Kastenwagen, der mit Bett, Küche, Wasser und Gas im Sommer an die Küste fährt, kommt schnell an die zulässige Achslast. Wiegen Sie das voll beladene Fahrzeug an der Achse und gleichen Sie das Ergebnis mit dem Lastindex ab. Zeigt die Waage hinten 1.850 Kilogramm, muss jeder Reifen 925 Kilogramm tragen. Index 105 reicht dann auf den Kilo genau, Index 106 (950 kg) lässt 25 Kilogramm Reserve, und genau dafür bezahlt man den kleinen Aufpreis.
Für Reisemobile gibt es zusätzlich Reifen mit der Kennung CP (Camping). Mehr zu Transportern lesen Sie unter Transporterreifen. Bei Campern sehe ich das jeden Frühling: Der Wagen ist zugelassen für 3,5 Tonnen, die Reifen sind für 3,5 Tonnen gerechnet, und dann kommen noch die Fahrräder hintendran. Wiegen kostet ein paar Euro. Ein geplatzter Reifen auf der A1 kostet mehr.
Die Regeln beim Reifentausch
Wer vor dem Reifenregal steht und sich nicht sicher ist, stellt dem Verkäufer vier Fragen:
- Ist der Lastindex mindestens so hoch wie in meinen Papieren?
- Ist der Geschwindigkeitsindex mindestens so hoch wie in meinen Papieren?
- Schreiben die Papiere XL oder HL vor, und trägt der Reifen die Kennung?
- Bei Winterreifen: Liegt der Index unter meiner Höchstgeschwindigkeit, und liegt ein Aufkleber bei?
Die Regeln dahinter sind schnell erklärt. Der Lastindex darf nie niedriger sein als der Wert in den Papieren. Höhere Werte sind erlaubt, sie machen den Reifen häufig steifer und härter. Beim Geschwindigkeitsindex gilt dasselbe, mit einer Ausnahme für Winter. Nach § 36 Abs. 5 StVZO darf ein Winterreifen mit Alpine-Symbol (Berg mit Schneeflocke) einen niedrigeren Geschwindigkeitsindex haben als die Höchstgeschwindigkeit des Autos, wenn die für den Reifen zulässige Geschwindigkeit per Schild oder Aufkleber im Blickfeld des Fahrers angegeben ist und Sie dieses Tempo nicht überschreiten. Mehr zur Pflicht und zu den Kosten steht bei den Winterreifen.
Wo Sie die Werte in Ihren Papieren finden
Bereifung und Indizes stehen zusammen in Feld 15.1 und 15.2 der Zulassungsbescheinigung, die Höchstgeschwindigkeit des Fahrzeugs in Feld T, die Achslasten in Feld 8.1 und 8.2. Wo das genau steht, zeigt die Seite zur Reifengröße im Fahrzeugschein. Fehlt Ihre Wunschgröße in den Papieren, führt der Weg über die Abnahme. Wie das abläuft, steht bei andere Reifengröße eintragen. Ein zu niedriger Index lässt sich dagegen nicht wegprüfen, dann muss ein anderer Reifen her.
Wie sich eine neue Größe auf Umfang und Tacho auswirkt, rechnet der Reifenrechner vor. Und wer erst noch klären muss, wie er die Reifengröße finden kann, die zu seinem Auto gehört, beginnt dort.
Lesen Sie die Flanke vollständig: Nach § 36 Abs. 7 StVZO müssen Reifenhersteller Größe, Bauart, Tragfähigkeit, Geschwindigkeitskategorie und Herstellungs- oder Erneuerungsdatum auf dem Reifen angeben. Die Zahl hinter dem Schrägstrich bei C-Reifen, das XL vor oder hinter der Größe und das Datum im DOT-Feld sind keine Verzierung.
Häufige Fragen
Darf ich Reifen mit höherem Lastindex fahren?
Ja. Höhere Werte als in den Papieren sind erlaubt. Der Reifen kann steifer abrollen, der Komfort leidet unter Umständen. Ein niedrigerer Lastindex als in den Papieren ist dagegen nicht zulässig.
Was bedeutet XL auf dem Reifen?
XL steht für Extra Load, also verstärkt (Reinforced). Ein XL-Reifen trägt bei gleicher Größe mehr als ein Standardreifen, sein Lastindex ist entsprechend höher. Die volle Tragfähigkeit steht aber nur bei erhöhtem Fülldruck zur Verfügung. Schreiben die Papiere XL vor, ist ein Standardreifen nicht erlaubt.
Wie rechne ich aus, ob mein Lastindex reicht?
Teilen Sie die zulässige Achslast durch zwei und suchen Sie in der Tabelle einen Index, dessen Tragfähigkeit mindestens so hoch ist. Bei 1.100 Kilogramm Achslast sind das 550 Kilogramm, also Index 88 (560 kg). Wer Zuladung mitrechnen will, wiegt das Fahrzeug beladen.
Darf ich Winterreifen mit niedrigerem Geschwindigkeitsindex fahren?
Ja, wenn es Winterreifen mit Alpine-Symbol sind, ein Schild oder Aufkleber im Blickfeld das zulässige Tempo nennt und Sie dieses nicht überschreiten (§ 36 Abs. 5 StVZO). Der Lastindex darf auch dann nicht niedriger sein als der Papierwert.