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Reifenrechner: Abrollumfang und Tachoabweichung zweier Größen vergleichen

Der Rechner stellt zwei Reifengrößen nebeneinander und zeigt, wie sich Durchmesser, Abrollumfang und Tachoanzeige ändern. Die Rechnung dahinter lässt sich im Kopf nachvollziehen.

Von Merle Hansen, aktualisiert am 30. Oktober 2026

Zwei Räder unterschiedlicher Größe, eines mit Stahlfelge und eines mit Alufelge, stehen nebeneinander in einer Werkstatt

Ein gebrauchter Radsatz im Netz, vier Alufelgen mit Reifen in 225/50 R17, 350 Euro: Der Besitzer eines Seat Leon (Baujahr 2016, 96.000 km) war begeistert und rief in Hemelingen an, ob das auf sein Auto passe. Ole Brinkmann nahm Zettel und Taschenrechner. Serie war 205/55 R16. Der Außendurchmesser wäre um rund 25 Millimeter gewachsen, der Abrollumfang um knapp vier Prozent. Der Tacho würde 100 km/h zeigen, das Auto 104 fahren. Der Kunde ließ den Kauf sein.

Dieselbe Rechnung macht der Rechner unten in Sekunden. Sie tragen die jetzige und die neue Größe ein und bekommen Durchmesser, Umfang und Abweichung in Prozent. Was er nicht beantwortet, ist die Frage, ob die neue Größe auch erlaubt ist, und genau daran scheitern viele Umstiege. Beides gehört zusammen, darum folgt hier die Rechnung zum Nachvollziehen und danach die Einordnung.

Reifenrechner: zwei Größen im Vergleich

Links die Größe aus Ihrem Fahrzeugschein, rechts die Größe, die Sie fahren möchten. Der Rechner zeigt Durchmesser, Abrollumfang und was Ihr Tacho daraus macht.

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205/55 R16 und 225/45 R17

Wählen Sie zwei Größen, das Ergebnis erscheint hier.

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So rechnet der Reifenrechner: Durchmesser, Umfang, Abweichung

Nehmen wir 205/55 R16. Die Flanke ist 55 Prozent von 205 Millimetern hoch, also 112,75 Millimeter. Zwei Flanken plus die Felge (16 Zoll mal 25,4 sind 406,4 Millimeter) ergeben 631,9 Millimeter Außendurchmesser. Mal Pi kommt ein Umfang von rund 1.985 Millimetern heraus. Als Formel: Durchmesser = Felgenzoll × 25,4 + 2 × (Breite × Querschnitt ÷ 100), Umfang = Durchmesser × 3,14159.

Das ist der rechnerische Umfang aus den Nennmaßen. Der wirkliche Abrollumfang, also der Weg pro Radumdrehung auf der Straße, ist etwas kleiner und hängt von Last, Luftdruck und Profiltiefe ab. Genau kennt ihn nur der Reifenhersteller. Für den Vergleich zweier Größen spielt das kaum eine Rolle, weil beide Werte annähernd gleich abweichen. Verlassen Sie sich trotzdem nicht auf die letzte Stelle hinter dem Komma. Auch zwei Reifen gleicher Größe von verschiedenen Herstellern sind nicht auf den Millimeter gleich hoch, die Normen lassen einen Spielraum.

Die Abweichung in Prozent folgt aus dem Verhältnis der Umfänge: neuer Umfang durch alten Umfang, minus 1. Bei 225/45 R17 sind das 1.993 durch 1.985, also 1,004 und damit plus 0,4 Prozent. Multipliziert mit der angezeigten Geschwindigkeit ergibt derselbe Faktor das wirkliche Tempo: Bei Anzeige 130 sind es 130,5 km/h.

Drei Größen im Vergleich

Die Tabelle stellt die Serie 205/55 R16 gegen die beiden üblichen Umstiege und gegen den Gebrauchtsatz aus Hemelingen. Bezugswert ist die Serienbereifung, bei der Anzeige und Tempo als gleich gesetzt sind. Die letzte Spalte zeigt, wie schnell das Auto tatsächlich fährt, wenn der Tacho wie mit der Serienbereifung 100 km/h anzeigt.

GrößeAußendurchmesserUmfang (rechnerisch)AbweichungTempo bei Anzeige 100
205/55 R16 (Serie)631,9 mm1.985 mm0 %100,0 km/h
225/45 R17634,3 mm1.993 mmplus 0,4 %100,4 km/h
225/40 R18637,2 mm2.002 mmplus 0,8 %100,8 km/h
225/50 R17656,8 mm2.063 mmplus 3,9 %103,9 km/h

Die beiden ersten Umstiege sind rechnerisch fast neutral. Das ist kein Zufall: Hersteller wählen Plus-Größen so, dass der Umfang beim Wechsel von 16 auf 17 oder 18 Zoll nahezu gleich bleibt. Die Flanke wird dabei niedriger, von 112,75 über 101,25 auf 90 Millimeter. Das spüren Sie am Komfort und an der Anfälligkeit von Felgen für Schlaglöcher. Die letzte Zeile zeigt, was passiert, wenn man nur auf die Felgengröße schaut. 225/50 R17 ist zwar 17 Zoll, aber die Flanke bleibt fast so hoch wie bei 16 Zoll.

Ein zweites Beispiel zeigt, wie wenig die Optik über den Umfang sagt. Wer im Sommer 215/45 R18 fährt (Außendurchmesser 650,7 mm) und im Winter auf 205/60 R16 wechselt (652,4 mm), landet bei einer Abweichung von rund plus 0,3 Prozent. Die Winterfelge ist zwei Zoll kleiner, dafür ist die Flanke gut 26 Millimeter höher (123 statt 96,75 Millimeter). Der Tacho bemerkt davon nichts, der Fahrer im Schlagloch schon.

Was die Prozentzahl bedeutet: Tacho und Toleranz

Der Tacho darf nach ECE-R 39 nie weniger anzeigen als die tatsächliche Geschwindigkeit, bei der Typprüfung neuer Fahrzeuge darf er bis zu 10 Prozent plus 4 km/h voreilen. Wird der Abrollumfang größer, legt das Auto pro Radumdrehung mehr Weg zurück, der Tacho zählt aber weiter nach der alten Rechnung und zeigt zu wenig an. Bei plus 3,9 Prozent sind das bei Anzeige 100 knapp 4 km/h, bei Anzeige 130 gut 5. Ein Tacho, der werkseitig etwas voreilt, hat Reserve. Wie viel, finden Sie mit einem Vergleich der Tachoanzeige mit der GPS-Geschwindigkeit des Navis heraus.

Prüfer und Reifenhändler arbeiten mit Faustwerten. Häufig genannt wird ein Abrollumfang, der höchstens rund 2,5 Prozent unter und rund 1,5 Prozent über dem Original liegt, andere sprechen pauschal von etwa 2 Prozent. Das ist ein Wert aus der Praxis, keine Vorschrift, und die Quellen sind sich nicht einig. Verbindlich sind die Papiere. Steht die Größe in Schein, CoC-Papier oder Herstellerfreigabe, ist sie erlaubt, auch wenn der Rechner 3 Prozent zeigt. Steht sie nirgends, rettet Sie auch ein Wert von 0,3 Prozent nicht.

Kunden fragen mich, wie viel Prozent erlaubt sind. Ich frage zurück, ob die Größe im Schein steht. Meistens ist damit alles gesagt, und die Prozentrechnung braucht es nur, wenn jemand etwas Neues will.

Ole Brinkmann, Kfz-Meister

Bodenfreiheit, Radlauf und Flanke

Die Bodenfreiheit ändert sich um den halben Durchmesserunterschied. Bei 225/40 R18 statt 205/55 R16 sind das 2,7 Millimeter mehr, bei 225/50 R17 rund 12 Millimeter. Spürbar wird das nur bei Tieferlegung oder bei Autos, die oft über Bordsteinkanten und Feldwege rollen. Wichtiger ist der Radlauf: Ein breiterer Reifen braucht Platz bei vollem Einschlag und beim Einfedern, und jede Reifenbreite ist nur für einen Bereich von Felgenbreiten freigegeben. Ob es passt, zeigt sich erst am Auto.

Zu jeder Reifenbreite gehört außerdem ein Bereich zulässiger Felgenbreiten. Ein 225er auf einer zu schmalen Felge steht steil und lenkt unpräzise, auf einer zu breiten wird die Flanke gezogen und der Reifen läuft ungleich ab. Die zulässigen Felgenbreiten stehen in den Datenbüchern der Reifenhersteller, ein guter Händler hat sie zur Hand. Mehr Breite ist auch kein Selbstzweck: Auf nasser Straße, wo sich Wasser unter dem Reifen sammelt, kann ein breiterer Reifen früher aufschwimmen als ein schmalerer.

Im Winter gehen viele den Weg zurück: schmaler, höher, kleinere Felge. Das schont Geldbeutel und Felgen und gibt dem Reifen mehr Flanke gegen Schlaglöcher. Mehr dazu bei den Winterreifen. Größere Räder sind dagegen meist teurer, vom Reifen bis zum Wechsel. Eine Einordnung finden Sie unter Reifenkosten.

Rechnerisch passend ist nicht erlaubt

Wer eine Größe gefunden hat, die im Umfang stimmt, hat die halbe Arbeit erledigt. Rechnen Sie dabei vorn und hinten getrennt, vor allem bei Mischbereifung und bei Allradantrieb: Dort sollen die Reifen beider Achsen praktisch denselben Abrollumfang haben, sonst arbeitet der Antrieb gegen sich selbst. Welche Differenz Ihr Hersteller zulässt, sagt die Werkstatt. Als Nächstes sehen Sie nach, ob sie in den Papieren steht, die Seite zur Reifengröße im Fahrzeugschein zeigt, wo. Danach prüfen Sie Lastindex und Geschwindigkeitsindex, das erklärt der Beitrag zu Lastindex und Geschwindigkeitsindex. Bleibt die Größe nach beiden Schritten ohne Beleg, hilft nur die Prüfstelle: Wie das abläuft, steht bei andere Reifengröße eintragen.

Eine Übersicht über alle Wege, die Größe Ihres Autos zu ermitteln, bietet der Einstieg zur Reifengröße finden. Und wer noch gar nicht weiß, was die richtigen Reifen für sein Auto mitbringen müssen, fängt besser mit Gewicht und Fahrprofil an als mit der Zahl auf der Flanke.

Häufige Fragen

Wie berechne ich den Abrollumfang eines Reifens?

Rechnen Sie zuerst den Außendurchmesser: Felgengröße in Zoll mal 25,4, plus zweimal die Flankenhöhe (Breite mal Querschnitt durch 100). Den Durchmesser multiplizieren Sie mit 3,14159. Das Ergebnis ist der rechnerische Umfang. Der tatsächliche Abrollumfang liegt etwas darunter und wird vom Hersteller angegeben.

Wie viel Abweichung beim Abrollumfang ist erlaubt?

Einen festen Gesetzeswert gibt es dafür nicht. Prüfer und Händler nennen als Faustwert etwa minus 2,5 bis plus 1,5 Prozent gegenüber dem Original. Maßgeblich bleibt, ob die Größe in den Papieren steht oder abgenommen wurde. Rechnerisch passende Größen ohne Beleg sind nicht automatisch zugelassen.

Zeigt der Tacho mit größeren Reifen zu viel oder zu wenig an?

Zu wenig. Ein größerer Abrollumfang bedeutet mehr Weg pro Umdrehung, der Tacho misst aber die Umdrehungen. Das Auto ist dann schneller als angezeigt. Da der Tacho nie weniger anzeigen darf als die tatsächliche Geschwindigkeit, ist das der kritische Fall.

Muss ich 17 statt 16 Zoll eintragen lassen?

Nur, wenn die 17-Zoll-Größe nicht in Schein, CoC-Papier oder Herstellerfreigabe steht. Bei vielen Kompaktwagen sind 17 Zoll ab Werk freigegeben, dann ist keine Eintragung nötig. Sicher wissen Sie es erst nach einem Blick in die Papiere.